Portal:Kulinarik
Ein hohles Gebäck, das beim Anfassen zerbricht, Wein von steilen Elbhängen und rund vierzig dokumentierte Gaststätten: Dieses Portal versammelt die Artikel zu Meißner Spezialitäten, zum Weinbau, zu Brauereien und zur Gastronomie der Stadt.
Der Meißner Fummel
Die Meißner Fummel ist Backwerk und Kuriosität zugleich. Der hauchdünne Teig wird zu zwei Platten ausgerollt, am Rand verbunden und dann aufgeblasen, sodass ein hohler, äußerst zerbrechlicher Körper entsteht. Erstmals belegt ist ein Gebäck namens „Fommel“ für den 14. Januar 1747, als der Rat der sächsischen Prinzessin Maria Josepha auf ihrer Reise nach Frankreich Ehrenwein und „eine Fommel“ spendete. Eine der Legenden um das Gebäck erzählt, kurfürstliche Meldereiter hätten die Fummel unbeschädigt nach Dresden bringen müssen, um zu beweisen, dass sie unterwegs nicht dem Meißner Wein zugesprochen hatten.
Spezialitäten und Backwaren
Zur Advents- und Weihnachtszeit backen die Meißner Bäckereien den Meißner Stollen, meist als Rosinen- oder Mandelstollen. Weitere Backwaren sind der Meißner Baumkuchen, die Meißner Oblaten, die bis in die 1980er Jahre hergestellt wurden, das Hornäffchen in Form eines doppelten Horns, die Advents- und Neujahrs-Taler, Die Meißner Bäbe, die Meißner Kokosmakronen, die Meißner Buchteln, die Meißner Zeile, Meißner Einback/Zwieback und die Kuchenränder, die es noch bis Ende der 1980er Jahre sporadisch gab. Aus der Küche kommen die Meißner Glidscher, eine sächsische Kartoffelpuffer-Variante, der Meißner Kartoffelkuchen, die Quarktorte Meißner Art und ohne Boden, die Meißner „Arme Ritter“ und Der „Tausendjährige Kuchen“. Leb- und Honigkuchen backten die Pfefferküchler. Der Meissner Senf entstand in der 1857 gegründeten Weinessig- und Senffabrik Roessler und Co. in der Bergstraße; eine Senffabrik gibt es in Meißen heute nicht mehr. Nach der Stadt benannt sind außerdem die Pflaumensorte Meißner Honigpflaume und die Rosensorte „Meißen“, die kein Lebensmittel, sondern eine Zuchtrose ist.
Weinbau
Meißen liegt im sächsischen Elbtalweinbaugebiet; die Lagen und Weinberge selbst behandelt das Portal Natur & Landschaft. Der Ratsweinberg in Vorbrücke war der Weinberg der Stadt, das dortige Städtische Pressgebäude die zugehörige Kelter. Erhalten ist die Historische Weinpresse Jagdsteig Nr. 25 in Oberspaar. Als Weingüter dokumentiert sind Weingut Kapitelholzsteig Nr. 1, 1a, Weingut Kapitelholzsteig Nr. 3, Weingut Gelegegasse Nr. 5, 5a, 5b, 5c, Weingut Boselweg Nr. 60a und Weingut Oberspaarer Straße Nr. 30. Die Fachbegriffe und Sprichwörter der Winzer sammelt Winzerjahr und Winzersprache. Die Herkunft des Weinbaus erklärt die Sage Meißner Sagenschatz-Bischof Benno und der Meißner Weinbau. Im Weinhandel groß geworden ist die Familie Horn: Otto Horn, Henriette Emma Horn und Ernst Otto Horn. Zur Straßenbenennung siehe Winzerstraße und Weinberggasse.
Bier und Brauereien
Die Schwerter Brauerei besteht bis heute als Privatbrauerei. Historische Betriebe waren die Mühlbergsche Brauerei mit Brauhäusern an der Frauenkirche, die 1832 gegründete Bierbrauerei Stephan und Sohn, die kleinere Germania-Brauerei an der heutigen Großenhainer Straße und der VEB Felsenkellerbrauerei Meissen in der Altstadt. Von 1913 bis in die 1950er Jahre unterhielt die Radeberger Brauerei im Triebischtal eine Niederlassung. Als schönstes Renaissance-Bürgerhaus der Stadt gilt Das Bahrmannsche Brauhaus beim Tuchmachertor. Eine Meißner Erfindung im Getränkefach war Baarmanns Bierkühler 1906.
Gaststätten, Weinstuben und Cafés
Zu den ältesten Schankwirtschaften gehört der Domkeller am Domplatz, daneben liegt der Burgkeller. Im Rathaus wirtschaftet der Ratskeller, am Markt die Weingaststätte „Vincenz Richter“, am Heinrichsplatz der Goldene Löwe. Weiter bestehen der Winkelkrug, das Waldschlösschen am Stadtpark, die Plossenschänke auf einem alten Weingut, das Schweizerhaus an der Rauhentalstraße, die Erzgebirgische Hutzenstube, der Gasthof „Jägerhof“ und das Café Markt 10, ein Begegnungscafé der Kirchgemeinden. Historisch dokumentiert sind Die Garbude, vermutlich das erste städtische Speisehaus, der Gasthof Goldene Sonne am Theaterplatz, der Alberthof, der Kaisergarten in Cölln, die Geipelburg als einst größter Saalbetrieb der Stadt, das Gasthaus zum elenden Kretzschmar, das Talschlösschen Meißen, der Franziskaner-Keller, das Café Sedan, das Gasthaus Churfürst, das Gasthaus zur Altenburg, das Gasthaus „Zum deutschen Matrosen“, das Restaurant zum Hahnemann, das Restaurant zur Krone, das Restaurant „Zur Kleinbahn“ und die Restauration zum Horn. Reine Weinschänken waren Gebhardts Weinschank auf dem Plossenberg, 1719 erstmals genannt, die Weinstube Zum Rauhentaler Schloß, die Weinstube-Bergschlösschen-Meißen und die Weinstuben Gebrüder Geissler.
Gastronomie in der DDR
Die staatliche und genossenschaftliche Gastronomie ist mit den HO-Gaststätten und Konsum-Gaststätten dokumentiert, dazu mit der HO-Schnellgaststätte „Zentrum“ am Roßmarkt, der HO-Fischbratküche in der Gerbergasse und dem HO-Törtchen. Zu den Handelsformen jener Zeit siehe das Portal Wirtschaft & Gewerbe.
Milch, Fleisch und Honig
Die Molkerei Meissen entstand 1888 als Genossenschaft, der Milchhändlerverband Meißen bestand von 1903 bis 1935. Die Fleischverarbeitungsbetriebe endeten mit der Schließung des Meißner Betriebs. Bis heute besteht die Bienenwirtschaft Meißen in Zaschendorf. Kolonialwaren und Spirituosen verkaufte Kolonialwaren und Spirituosen Paul Hainich. Der Eierlikör-Rauhental ist eine Erinnerung an ein Getränk aus dem Rauhental.
Feste und Märkte
Größtes Fest der Stadt ist das Weinfest Meißen; wie es 1955 aussah, zeigt der Weinfest Meißen 1955 (Prospekt). Jedes Jahr werden die Weinhoheiten gewählt. Der Meißner Weihnachtsmarkt beginnt nach dem Totensonntag, daran schließt der Wintermarkt an. Seit 1992 gibt es im Mai den Töpfermarkt. Von den älteren Fernhandelsmärkten berichten die Jahrmärkte.
Vorschriften rund ums Wirtshaus
Die amtlichen Bekanntmachungen der Kaiserzeit betrafen oft Essen und Trinken: Der Füllstrich an Gläsern wurde 1909 eingeführt, die Einführung der Polizeistunde in Weinstuben 1908, das Verbot des Drebbelbier-Ausschanks ab 1908, die Bekanntmachung zum Verkauf von Brot 1908 und Teigtreten und Spucken in den Bäckereien. Auch die Sonntagsarbeit in Bäckereien und im Fleischgewerbe war geregelt.
Siehe auch
- Portal: Wirtschaft & Gewerbe – Handel, Handwerk und Betriebe
- Portal: Natur & Landschaft – Weinberge und Lagen
- Portal: Sagen & Geschichten – Mundart und Alltagsgeschichten
- Portal: Kunst & Kultur – Feste und Veranstaltungen
- Kategorie:Meißner Spezialität, Kategorie:Backwaren, Kategorie:Meißner Rezepte, Kategorie:Gastronomie