Meißner Advents- und Neujahrs-Taler (Gebäck)
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Die Meißner Advents- und Neujahrs-Taler (Gebäck) sind eine bunt verzierte, runde Keks-Variation, welche besonders in der Vorweihnachtszeit in den Familien mit nur wenigen Zutaten gebacken werden. Zudem hat man die Kekse auch am Neujahrstag als Glücksbringer verschenkt.

Die Besonderheit ist, dass es sich um runde und mit einer Wertzahl versehene Kekse handelt. Das Gebäck soll dabei in seiner Form an ein Geldstück erinnern. Größe, Form, Farbe und Dekor bleibt dabei der eigenen Fantasie überlassen. Nicht selten werden die Advents-Taler am 6. Dezember – dem Nikolaustag – auch in der Nachbarschaft zum Verkosten und als kleine Aufmerksamkeit verschenkt. Es gibt über die Meißner Advents- und Neujahrs-Taler verschiedene Erzählungen und Geschichten.
Die Geschichte
Oben auf den Höhen der Korbitzer Schanzen, hatten die Bäume über Nacht ein feines weißes Kleid bekommen und der leichte Wind wehte einen Hauch von Kälte bis ins Triebischtal herunter. Es war ein kühler würziger Duft der besonders am Morgen herunterwehte und der ein sicheres Zeichen für den nahenden Winter war. „Es riecht nach Schnee“, so hörte man die Leute sagen und wir Kinder freuten uns über diese Worte. Der erste Schnee war für uns nicht nur die Freude auf eine Schlittenfahrt oder das Schneemannbauen, sondern auch die beginnende Vorfreude auf die Weihnachtszeit.
Weihnachtszeit war zugleich auch Backzeit in vielen Meißner Häusern. Im Triebischtal war es in einigen Familien – so auch bei uns – ein alter Brauch aus Keks-Teig verschiedene Münzen zu backen. Wir hatten im Haus dazu die besten Voraussetzungen um eine eigene „Familienwährung“ herzustellen, denn meine Mutter war Keramikmalerin und mein Vater war gelernter Former in einer Gießerei. Unsere Familie besaß damit in der Weihnachtszeit eine eigene Währung deren Gültigkeit auf die Festtage beschränkt war und nur in der Familie und bei Verwanden eine gültige „Zahlungskraft“ besaß. Meine Mutter fungierte dabei gern als „Münzmeister“. Sie hatte seit Jahren ihre geheime Rezeptur und überwachte mit strengen Augen das Dekorieren. Der Vater kümmerte sich um die technischen Details, suchte geeignete Formen zur Münzherstellung aus und wir Kinder waren eifrig dabei das benötigte Münzenmaterial (Backzutaten) zu beschaffen.
So hatte ein jeder seine Aufgabe mit der essbaren Familienwährung auf Zeit. Die Keks-Währung wurde jedes Jahr pünktlich am Nikolaustag eingeführt und allein durch den Verzehr wurde sie auch wieder Außerkraft gesetzt. Gab es keinen Nachschub mehr aus der Prägeanstalt in der Küche, kam auch der Umlauf zum Erliegen und die Währung wurde auf natürlichem Wege abgeschafft. Ich kann heute nicht mehr sagen wie hoch die Gesamtsumme von den verschiedenen Nominalen war, die am heimischen Herd geprägt worden sind, allerdings ist mir die unterschiedliche Stückelung noch bekannt. Es gab 1 Pfennig, 10 Pfennig, 1 Mark und 2 Mark und den „großen Taler“. Alle gebackenen Münzen gab es in unterschiedlichen Größen und Farben und es gab zudem „Abschläge“ aus Kakaoteig mit einer Riffelung am Rand.
Viele der Stücke wurden traditionsgemäß in der Familie und in der Nachbarschaft verschenkt. Der Brauch symbolisch Geld und Glück in der Zeit der Jahreswende zu verschenken, war in meiner Kindheit noch allgegenwärtig und unsere essbaren Münzen daher stets willkommen. Ich kann mich daran erinnern, dass mein Bruder, er war damals 8 Jahre alt, einige Tage vor Weihnachten einige Stücke der familiären Währung in eine Serviette packte und damit im kleinen Spielzeugladen in der Talstraße verschwand. Er kam zurück mit dem von ihm schon lange begehrten kleinen Plastik-Indianer aus dem Schaufenster. Die freundliche Frau im Geschäft hatte die Währung offenbar problemlos akzeptiert. Dadurch kann man durchaus behaupten, dass unsere Familienwährung tatsächlich Zahlungskraft besaß und zudem im regulären Umlauf war.[1]
Rezept
Es werden dazu zwei unterschiedliche Teigvariationen, heller Teig und brauner Teig (Kakaoteig) vorbereitet.
- Zutaten für den hellen Teig: 400 g Weizenmehl, 125 g Puderzucker, 1 Pk. Vanillezucker, 250 g Butter, 1 Eigelb.
- Zutaten für den dunklen Teig (Kakao-Teig): 250 g Weizenmehl, 100 g Puderzucker, 25 g Kakaopulver, 200 g Butter.
Zum Ausstechen der Münzen werden Schnaps- oder Likörgläser in unterschiedlichen Größen verwendet. Stellen Sie den hellen und dunklen Teig zunächst getrennt her. Der gesiebte Puderzucker, Eigelb (für hellen Teig), nicht zu weiche Butter, Kakaopulver (für dunklen Teig) werden mit dem Handmixer gut vermischt. Das gesiebte Mehl nach und nach dazu geben. Danach den Teig sofort kaltstellen und später zu ca. 1 cm dicken Teigplatten ausrollen. Etwas vom hellen und dunklen Teig für die Beschriftung der Münzen beiseitelegen. Nun die Münzen in unterschiedlichen Größen ausstechen und auf das Backpapier legen. Die Münzen, welche einen Riffelrand bekommen sollen am Rand leicht aber nicht zu tief einschneiden. Aus den beiseitegelegten Resten verschiedene Zahlen dünn anfertigen, mit Eigelb bestreichen und auf die Münzen legen. Alles nochmals gut kühlen und anschließend bei mittlerer Hitze von 190°C ca. 10 – 15 Minuten hellgelb backen.
Literatur
- Reiner Graff/numiscontrol: Numismatisches Weihnachtsgebäck – die Mutter als Münzmeister. In: Münzen &Sammeln, Heft 12, 2009, Gietl-Verlag, Regenstauf.
Einzelnachweise
- ↑ Reiner Graff/numiscontrol: Numismatisches Weihnachtsgebäck – die Mutter als Münzmeister. In: Münzen & Sammeln, Heft 12, 2009, Gietl-Verlag, Regenstauf.