Kornhaus
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Das Kornhaus ist ein Gebäude auf dem Burgberg in der Altstadt von Meißen. Es handelt sich um ein lang gestrecktes Gebäude, das sich mit dem Nordbau des Schlosses und dem sogenannten „Frauenhaus“ in einer geraden Linie nach Westen hinzieht.
Geschichte
Der Bau des Kornhauses auf dem Burgberg wurde offenbar gleichzeitig mit dem Bau des Schlosses begonnen. Alte Rechnungen aus den Jahren ab 1470 belegen diese Vermutung zusätzlich.
Um 1850 war die innere Aufteilung so gewählt, dass das Gebäude zunächst der Porzellanmanufaktur diente. Ab 1746 wurde das Kornhaus von der Königlichen Porzellan-Manufaktur genutzt. An den Mauerstärken ist erkennbar, dass der Bau ursprünglich zwei Obergeschosse mit spätgotischen Fenstern hatte. Die Decken der Geschosse waren dabei durchweg flach.
Im Erdgeschoss befand sich der Pferdestall, der laut Inventar von 1571 über 36 Stände und ein Göpelwerk zum Aufziehen des Getreides verfügte. Zudem werden ein „Backhaus” und eine „Küche” erwähnt. In den Obergeschossen befanden sich die Schüttböden. Nach dem Auszug der Porzellanmanufaktur stand das Kornhaus zunächst leer, wurde jedoch von November 1867 bis Mitte Juni 1876 von der Meißner Garnison genutzt. 1897 wurde das Kornhaus für Wohnzwecke umgebaut und mit neuen Fenstern ausgestattet. Es folgte ein Mittelbau, der sogenannte „Zwischenbau“. Der Umbau erfolgte nach Plänen von Karl Moritz Haenel.[1]
Auch um 1900 gab es im Erdgeschoss noch Stallungen und in den oberen Geschossen waren Wohnungen eingerichtet, darunter auch die des damaligen Schlosshausmeisters. An der Rückseite des Gebäudes schloss sich damals ein Schuppen aus dem 16. Jahrhundert an. Tief in den Abhang hinein wurden einst die Scherben der Porzellanmanufaktur abgeschüttet, wodurch sich der sogenannte „Scherbelberg“ (Scherbenberg) bildete. In der DDR-Zeit wurde das Kornhaus ebenfalls für Wohnzwecke genutzt und diente zudem der Verwaltung der Albrechtsburg als Standort. Die ehemaligen Stallungen im Erdgeschoss durften von den Mietern teilweise als Garagen genutzt werden.
Verkauf
Im Jahr 2007 wurde das Gebäude an das städtische Unternehmen SEEG verkauft. Es sollte zum Hotel umgebaut werden. Die letzten Mieter zogen 2008 aus dem Kornhaus aus.[2] 2006 bot das Land Sachsen das Kornhaus auf einer Immobilienmesse in München an. Dort wurde es für 500.000 Euro von der SEEG an die Mercurio Immobilien GmbH verkauft. Die Stadt verzichtete dabei auf ihr Rückkaufsrecht. Es folgte eine Zeit des Leerstandes. In dieser Zeit wurde die Immobilie mehrmals zum Verkauf angeboten, und zwar zu Preisen zwischen 1,8 und 3,2 Millionen Euro. Zudem wurden Sanierungs- und Umbaukosten von 10 bis 15 Millionen Euro veranschlagt. Im Dezember 2023 wurde das Kornhaus schließlich an die Meißner Otto-und-Emma-Horn-Stiftung verkauft. Der Verkauf wurde notariell beglaubigt. Mit dem Besitzerwechsel im Jahr 2023 erhielt das Kornhaus, bisher Burgberg Nr. 1, eine neue Hausnummer, Burgberg 15.
Nach einem neuen Nutzungszweck wird weiterhin gesucht.
Sanierung ab 2024
Die Otto-und-Emma-Horn-Stiftung hat inzwischen mit der umfangreichen Sanierung begonnen, die in mehrere Bauabschnitte aufgeteilt ist. Der erste Abschnitt, die Dachsanierung, begann am 30. September 2024.
Übersicht und Hintergründe
- 2001: Noch 2001 war im Kornhaus nach der Sanierung und dem Umbau ein Museum geplant. Das Kornhaus sollte demnach den „Schatz der Wettiner” beherbergen. Dazu kam es jedoch nicht. Zu dieser Zeit war das Kornhaus noch kommunales Eigentum. Im Mai 2008 zog der letzte Mieter aus. Der Verkauf war zu diesem Zeitpunkt bereits beschlossene Sache, da eine Sanierung offiziellen Stellen zufolge zu teuer war. Die Stadt Meißen und der Freistaat Sachsen zeigten damals kein Interesse am Kornhaus.[3]
- 2006 bis 2016: Von 2006 bis 2016 bot das Land Sachsen das Kornhaus auf Immobilienmessen an, unter anderem in München. Dort wurde es für 500.000 Euro an die Mercurio Immobilien GmbH verkauft. Die Stadt verzichtete dabei auf ihr Rückkaufsrecht. Bereits damals wurde festgestellt, dass der Verkaufspreis von 500.000 Euro weit unter dem eigentlichen Wert lag. Ab 2009 hatte die Stadt Meißen mit Steuermillionen einen Schrägaufzug und ein Parkdeck gebaut. Der zugesagte finanzielle Anteil der Kornhaus-Käufer blieb jedoch aus. Der damalige Eigentümer aus Italien bot das Kornhaus im Internet-Immobilienmarkt dagegen zum Kaufpreis von 3.200.000 Euro an. Steffen Wackwitz von der Stadt Meißen zeigte sich damals selbst von dem Verkaufsangebot in Millionenhöhe überrascht. Ein Weiterverkauf des Kornhauses fand jedoch nicht statt.[4][5]
- 2017: Im Jahr 2017 bezeichnete Dr. Andreas Christel, der damalige Sachgebietsleiter Denkmalschutz im Landratsamt Meißen, das Kornhaus als „zentrales Objekt für die Landesgeschichte Sachsens“. Nun wollte man die Investoren aus Italien endlich in die Verantwortung nehmen.[6]
- 2018: 2018 wurde das Dach des Kornhauses durch einen Orkan massiv beschädigt, doch der Eigentümer ignorierte die Schäden. Bereits im Oktober 2017 hatte ein Sturm ebenfalls Dachziegel vom Dach geweht. Die Freiwillige Feuerwehr Meißen war mit einer Drehleiter im Einsatz. Der Versicherungsschutz für das Gebäude war bereits erloschen. Die Kosten für den Einsatz der Feuerwehr sollten dem Eigentümer in Rechnung gestellt werden. Daraufhin beauftragte der italienische Eigentümer eine Notreparatur. Zum ersten Mal kam vonseiten der Stadt eine „Zwangsenteignung” des Eigentümers ins Gespräch. Bisher gab es am Gebäude keinerlei werterhaltende Maßnahmen.[7][8]
- 2019: Im Jahr 2019 soll es einen Eigentümerwechsel gegeben haben.[9]
- 2020: 2020 stand das Kornhaus auf dem Meißner Burgberg im Oberbürgermeisterwahlkampf ganz im Interesse der politischen Akteure. Der Oberbürgermeister hatte dem Weiterverkauf des Baudenkmals einst zugestimmt. In dieser Zeit entstanden erneut Schäden am Dach des Kornhauses. Man fragte sich, ob es tatsächlich noch Pläne der Stadt und des Freistaats Sachsen für das Kornhaus gab. Erneut wurden Fragen zur „Zwangsenteignung” der italienischen Eigentümer laut. Verhandelt wurde allerdings hinter verschlossenen Türen.[10]
- 2022: Am 4. Juli 2022 sollte das Kornhaus zwangsversteigert werden. Der damalige Verkehrswert der Immobilie betrug 370.000 Euro. Die Versteigerung wurde möglich, weil die Eigentümer beispielsweise Grundsteuerbescheide der Stadt nicht beglichen hatten. Um die drohende Zwangsversteigerung noch abzuwenden, wurde eine Rückgabe an die Stadt Meißen in Form eines Tauschgeschäfts diskutiert. Die Meißner Stadträte richteten einen gemeinsamen, fraktionsübergreifenden Appell an die sächsische Staatsregierung und den Landtagspräsidenten von Sachsen, welcher das Kornhaus betraf. Demnach sollte das Kornhaus wieder an den Freistaat Sachsen zurückgeführt bzw. vom Freistaat erworben werden. Bereits 2020 und nochmals im April 2022 gab es dazu eine schriftliche Anfrage an den sächsischen Ministerpräsidenten, die bis zum 7. Juni 2022 noch nicht beantwortet war.[11]
- 2023: Im Dezember 2023 wurde das Kornhaus an die Meißner Otto-und-Emma-Horn-Stiftung verkauft und der Verkauf notariell beglaubigt.
- 2024: Im Januar 2024 besuchte Staatsminister Oliver Schenk Meißen und das Kornhaus. Der Staatsminister zeigte sich zufrieden über die neue Situation nach dem Verkauf an die Horn-Stiftung und versprach weitere Unterstützung. Die Otto-und-Emma-Horn-Stiftung rief alle Bürger zu Spenden auf.[12][13]
Kritik
Auch nach dem Verkauf vom Kornhaus an die Meißner Otto-und-Emma-Horn-Stiftung gibt es noch immer Kritik am gesamten Geschehen, da viele Fragen zum damaligen Verkauf offengeblieben sind.
Fragen Schwerpunkte
- Warum kam es bei der heute immer wieder betonten historischen Bedeutsamkeit des Kornhauses für den Freistaat Sachsen überhaupt zu einem Verkauf? War man damals dazu überhaupt berechtigt?
- Welche Kosten sind dem Freistaat und der Stadt Meißen durch den Verkauf und Rückkauf entstanden? Wer hat die Verantwortung zu übernehmen?
- Wird es überhaupt einmal eine lückenlose und vor allem öffentliche Aufarbeitung zum Thema Kornhaus geben?
Literatur
- Cornelius Gurlitt: Beschreibung und Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler in Sachsen, Vierzigstes Heft: Meißen (Burgberg), In Kommission gedruckt bei C. C. Meinhold & Söhne, Dresden, 1920.
- Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5.
Einzelnachweise
- ↑ Cornelius Gurlitt: Beschreibung und Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler in Sachsen, Vierzigstes Heft: Meißen (Burgberg), In Kommission gedruckt bei C. C. Meinhold & Söhne, Dresden, 1920, S. 450.
- ↑ Günter Naumann: Stadtlexikon Meißen. 1. Auflage. Sax-Verlag, Beucha 2009, ISBN 978-3-86729-013-5, S. 184-185.
- ↑ Sebastian Vogel: Als noch Leben im Kornhaus herrschte. In: tvM Meissen Fernsehen. Interessengemeinschaft tv Meissen e. V., 02. Dezember 2021, abgerufen am 08. Juni 2025.
- ↑ Italienische Verhältnisse. In: tvM Meissen Fernsehen. Interessengemeinschaft tv Meissen e. V., 25. Januar 2012, abgerufen am 08. Juni 2025.
- ↑ Sebastian Vogel: Wie sieht's aus beim Kornhaus?. In: tvM Meissen Fernsehen. Interessengemeinschaft tv Meissen e. V., 27. Oktober 2021, abgerufen am 08. Juni 2025.
- ↑ Ullrich E. Brumm: Das Kornhaus - 600 Jahre glanzvolle Geschichte. In: tvM Meissen Fernsehen. Interessengemeinschaft tv Meissen e. V., 23. Februar 2017, abgerufen am 09. Juni 2025.
- ↑ Matthias Heigl, Sebastian Vogel: Wie weiter mit dem Kornhaus?. In: tvM Meissen Fernsehen. Interessengemeinschaft tv Meissen e. V., 23. Januar 2018, abgerufen am 09. Juni 2025.
- ↑ Matthias Heigl: Notreparatur hat begonnen. In: tvM Meissen Fernsehen. Interessengemeinschaft tv Meissen e. V., 25. Januar 2018, abgerufen am 09. Juni 2025.
- ↑ Matthias Heigl: Wer darf das entscheiden?. In: tvM Meissen Fernsehen. Interessengemeinschaft tv Meissen e. V., 20. Juni 2019, abgerufen am 09. Juni 2025.
- ↑ Matthias Heigl: Kornhaus bald wieder städtisch?. In: tvM Meissen Fernsehen. Interessengemeinschaft tv Meissen e. V., 28. Januar 2020, abgerufen am 09. Juni 2025.
- ↑ Termin zur Zwangsversteigerung. In: tvM Meissen Fernsehen. Interessengemeinschaft tv Meissen e. V., 20. April 2022, abgerufen am 09. Juni 2025.
- ↑ Sebastian Vogel, Jens Wittig: Staatsminister Schenk in Meißen. In: tvM Meissen Fernsehen. Interessengemeinschaft tv Meissen e. V., 16. Januar 2024, abgerufen am 09. Juni 2025.
- ↑ Zukunftsperspektive für das Kornhaus. In: tvM Meissen Fernsehen. Interessengemeinschaft tv Meissen e. V., 18. Januar 2024, abgerufen am 09. Juni 2025.
Zum Thema Kornhaus gibt es wegen seiner überregionalen Bedeutung auch einen Artikel bei Wikipedia: Kornhaus_(Meißen).